Eine Voute (auch biegesteife Rahmenecke, Haunch oder Knotenverstärkung) ist die gezielte Querschnittsverstärkung im Übergang von Stütze zu Riegel oder im First eines Stahlrahmens. Durch eine Aufdickung, Ausrundung oder Aufweitung des Profils werden Biegemomente und Querkräfte großflächig in den Rahmen eingeleitet. Das reduziert Spannungen im Knoten, erhöht die Tragfähigkeit und ermöglicht größere Spannweiten bei schlankeren Profilen – ein Schlüsselmerkmal moderner Stahlhallen.
Ausführliche Erklärung
In Gewerbe-, Industrie-, Produktions- und Lagerhallen konzentrieren sich die höchsten Schnittgrößen in den Rahmenknoten: an der Traufe (Übergang Stütze/Dachriegel) und – bei Satteldächern – am First. Ohne Voute würden diese Lasten sehr punktuell wirken, was zu überhöhten Spannungen, größeren Verformungen oder zu aufwendigen, schwereren Profilen führen könnte.
Die Voute verteilt diese Lasten durch eine vergrößerte Querschnittsfläche und einen weichen Geometrieverlauf. Typische Ausführungen sind:
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Blechvoute an geschweißten I-Trägern: aufgesetzte Gurt- und Stegbleche, die den Querschnitt zum Knoten hin verbreitern.
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Tapered Frames (verjüngte Rahmen): variable Profilhöhen mit Traufvoute und optionaler Firstvoute, wie sie im Systembau verbreitet sind.
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Steifen & Kopfplatten: ergänzende Elemente zur lokalen Verstärkung und zur sicheren Kraftübertragung in Schraub- oder Schweißverbindungen.
Funktionale Vorteile für den Hallenbau
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Optimierte Lastabtragung: Biegemomente und Querkräfte werden sanft von der Stütze in den Riegel geleitet – ideal bei hoher Windlast, Schneelast oder Kranbahnbetrieb.
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Materialeffizienz & Wirtschaftlichkeit: Mit Vouten lassen sich schlanke, leichte Rahmen realisieren; das reduziert Stahlmenge, Montagezeiten und Kosten.
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Größere Spannweiten & lichte Höhen: Weniger Zwischenstützen bedeuten flexible Grundrisse, bessere Logistikwege und mehr nutzbare lichte Höhe.
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Dauerhaftigkeit: Geringere Kerb- und Schweißnahtspannungen erhöhen die Ermüdungssicherheit – wichtig für hochfrequent belastete Industriehallen.
Planungsaspekte
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Statik & Bemessung: Form und Länge der Voute ergeben sich aus Momentenverlauf, Querkräften und Anschlussdetails (z. B. Pfettenanschlüsse, Rinnen, Kranbahnträger).
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Fertigung: Präzise geschnittene und verschweißte Blechpakete sichern einen kontinuierlichen Querschnittsverlauf; werkseitige Qualitätskontrollen (VT/UT bei Bedarf) erhöhen die Zuverlässigkeit.
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Korrosionsschutz & Brandschutz: Geschweißte Vouten erhalten denselben Korrosionsschutz (z. B. Feuerverzinkung, Beschichtungssysteme) wie der Rahmen. Bei geforderter Feuerwiderstandsdauer sind geeignete Brandschutzbeschichtungen oder Verkleidungen vorzusehen.
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Architektur & Details: Vouten beeinflussen Traufhöhe und Attikahöhe, Anschlusshöhen für Tore, Fassadenpaneele und Dachentwässerung – die Abstimmung in der Ausführungsplanung ist entscheidend.
Wo werden Vouten eingesetzt?
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Traufvoute: am Fußpunkt des Dachrahmens zur Aufnahme hoher Momente aus Wind, Eigengewicht und Dachlasten.
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Firstvoute: im Scheitelpunkt von Satteldächern bei großen Spannweiten oder asymmetrischen Lasten.
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Sonderknoten: bei Kranbahnen, Anbauten, großen Toröffnungen oder Ausklinkungen, wo Lasten lokal erhöht sind.
Fazit
Die Voute ist ein zentrales Detail im Stahlhallenbau: Sie verbindet Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Gestaltungsfreiheit. Durch die geführte Lastabtragung an den kritischen Knotenpunkten ermöglicht sie dauerhaft stabile, energie- und materialeffiziente Systembauhallen, Gewerbehallen und Industriehallen – mit maximaler Nutzfläche und langen Lebenszyklen.